Die Gewaltverzichtserklärung Für Muslime

TAZ-Blog von Dilek Zaptçýoðlu: Istanbulblog vom 29.12.2007: © TAZ - 29.12.2007 - Dilek Zaptçýoðlu - Zum Unterzeichnen: Die Gewaltverzichtserklärung für Muslime


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TAZ-Blog von Dilek Zaptçýoðlu: Istanbulblog vom 29.12.2007: © TAZ - 29.12.2007 - Dilek Zaptçýoðlu - Fatih Akin, Benazir Bhutto, Tarik Ali und die Weigerung, eine “Gewaltverzichtserklärung” zu unterschreiben….


Nach dem Attentat auf Benazir Bhutto, und dem ausbrechenden Chaos in Pakistan ein paar sehr gute Artikel von Tarik Ali (oder Tariq Ali) zum Thema - wenn auch mit dem leisen, melancholisch-wütenden Unterton des im Exil Lebenden, der auf seine ehemalige Heimat schaut, und nur unendliche Wut und Trauer empfinden kann angesichts dessen, was dort vor sich geht.

http://www.guardian.co.uk/comment/story/0,,2232632,00.html

A tragedy born of military despotism and anarchy


The assassination of Benazir Bhutto heaps despair upon Pakistan. Now her party must be democratically rebuilt


Tariq Ali Friday December 28, 2007 The Guardian


Benazir’s horrific death should give her colleagues pause for reflection. To be dependent on a person or a family may be necessary at certain times, but it is a structural weakness, not a strength for a political organisation. The People’s party needs to be refounded as a modern and democratic organisation, open to honest debate and discussion, defending social and human rights, uniting the many disparate groups and individuals in Pakistan desperate for any halfway decent alternative, and coming forward with concrete proposals to stabilise occupied and war-torn Afghanistan. This can and should be done. The Bhutto family should not be asked for any more sacrifices.


“Die Muslime” sollen wohl, wenn es stimmt, was ich aus Deutschland höre, eine Gewaltverzichtserklärung unterschreiben? Ich glaube nicht, will nicht glauben, daß es dort schon so weit gekommen ist…wer fordert das denn eigentlich? Konnte es nicht genau verfolgen. Aber allein die Tatsache, daß man DARÜBER spricht, ist verheerend und bedeutet ziemlich schlechte Nachrichten aus Deutschland. Die neue Namensgebungspolitik “des Westens”, der die “Muslime” festschreibt und stigmatisiert, kann nur in einem Verhältnis von Macht und Gewalt selbst verstanden werden! Da denkt man doch glatt: “Ich würde mich auf jeden Fall öffentlich weigern, ein solches Papier zu unterschreiben…” Aber Vorsicht, da schnappt die Falle schon zu: Wer sich mit DEM MUSLIM anreden läßt, hat verloren! Auch wenn einem gar kein Ausweg zu bleiben scheint, “Hier!” zu rufen, wenn man ständig so angesprochen wird. Es wird unglaublich hart, in Deutschland zu leben. Die Parallele zwischen der heutigen Stigmatisierung einer vermeintlich “bösen, fremden” Minderheit, die in Wahrheit in höchstem Maße diversifiziert ist und jede Menge assimilierter Individuen einschließt, und der kollektiven Ausgrenzung einer anderen, höchst diversifizierten, teils noch stärker assimmilierten Minderheit in der deutschen Geschichte wird immer deutlicher.

Etwas einfacher ausgedrückt: Denke ich an Deutschland in der Nacht/ bin ich um den Schlaf gebracht.

Soviel Ausgrenzung, soviel Druck, soviel Stigmatisierung, soviel Geschimpfe…ist schon wie ein Alptraum.

Eine Schlußbemerkung: Immer noch sprechen die Allermeisten von “den Juden und den Deutschen”, auch wenn sie den “jüdischen Beitrag zur deutschen Kultur” etwa, loben und den Holocaust verurteilen wollen.

Es gibt also wenig Hoffnung.

Angesichts dem Vorschlag, “die Muslime eine Gewaltsverzichtserklärung unterschreiben zu lassen”, um diese “in die Pflicht zu nehmen”, werde ich jedenfalls S-P-R-A-C-H-L-O-S.

Worauf die Haßkommentare bestimmt nicht lange werden auf sich warten lassen.

Ein “Kommentator” auf einen meiner Beiträge hier hatte mir einmal geschrieben: Wenn mich deutsche Zustände störten, bräuchte ich ja nicht hier zu leben und in Deutsch zu schreiben.

Wie wahr!

Deutschland den Deutschen! Muslime raus?

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